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Blogbucheintrag 1, Tag 1 im Wedding

30.09.07 | von JT [mail] | Kategorien: Wedding ist, wenn man trotzdem lacht

Es ist ein schöner Tag !
Heute bin ich den ersten Tag in meiner neuen Wohnung. Jau! Hell, Blicke über die Dächer vom Wedding und eine Sonne, die den (noch)Neuköllner freundlich stimmt.

„Ikk hoff sie sind’n ruija Mieta !“. Wie bitte? Was? Eine Stimme will mir etwas mitteilen, doch wo ist der Ursprung der geheimnisvollen Schallquelle? Dann sehe ich ihn. Ein Mittvierziger mit Glatze und einem Hund an der Leine, welcher bereits ähnlich viel Haare gelassen hat, wie sein Herrchen. „Ich hoffe Ihr Hund scheißt nicht auf den Gehweg!“ hätte ich am liebsten entgegnet, aber als Neuhinzugezogener will man ja nicht gleich unangenehm auffallen und sage: „Meistens“. „Hia sind nämlich schon welche rausjeflogen, weil se imma laut Musik jehört ha’m!“

Aha, denke ich mir, ein Lärmneurotiker. Einer, der freiwillig in die Einflugschneise vom Flughafen Tegel zieht, sich dann aber bei der Hausverwaltung über zu laute Küchenradios beschwert. Ich taufe ihn in Anlehnung an seinen pelzigen Begleiter „Pudel“ und erinnere mich dabei spontan an meine Lieblingsszene aus „Ein Fisch Namens Wanda“, wo zwei kleine, vierbeinige Gehwegverschönerer von einem herunterfallenden Zementblock atomisiert werden. Obwohl Pudels Hund mir in diesem Moment sogar etwas leid tut. Als Pudel zur Welt zu kommen ist schon schlimm genug. Aber ein Herrchen zu haben, das noch beschissener aussieht als man selbst und obendrein psychisch auffällig ist, ist schon gemein. So ein Karma wünscht man nicht mal Einem, der in seinem vorherigen Leben als Kampfhund ein Kind zerfleischt hat. Weiß man doch als Vierbeiner, dass solche Tierhalter zu allem fähig sind, sogar zur Unzucht mit dem anvertrauten Vieh. Aber das erzählt man sich nur untereinander im Park, oder beim Hundefriseur.

Pudel ist weg, verschwunden im Aufgang A3. Intuitiv schalte ich mein Radio ein. Kinderfunk Fritz-FM bemüht sich um meine Aufmerksamkeit. Nach echten Brüllern wie, „Hallo mein Name ist Andrea – Oh toll, ich heiße An-schrauber „ (oder so) ertrage ich deren Peinlichkeiten nicht mehr und wechsele zu dem Sender, den der Berufsjugendliche Tim Renner gegründet hat. Wenigstens erspart man mir dort jegliche Form von geistigem Minimalismus und beschränkt sich aufs Abspielen von Musik. Leider vergeht nicht viel Zeit und von Motor FM ist nichts mehr zu hören. Der Wind hat wohl gedreht und die Flieger von Tegel starten jetzt in Richtung meiner Wohnung. Ich würde mich jetzt am liebsten an Pudel wenden und ihn fragen, ob er nicht veranlassen kann, dass dem Piloten gekündigt wird, oder wenigstens dem Fluglotsen? Aber ich fürchte, er könnte das falsch verstehen und mich zu seinem Freund, schlimmer noch, zu seinem Vasallen in Sachen Lärmbelästigung ernennen. Vielleicht hat er aber auch gerade Sex mit seinem Hund? Deshalb gehe lieber irgendwo einen Kaffee trinken.

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