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Blogbucheintrag 3, Tag 7 im Wedding
Es ist ein schöner Tag !
Obwohl mir der Arm schmerzt, weil sich da irgendwelche Sehnen entzündet haben und obwohl es in der neuen Wohnung aussieht, als hätte eine Hausdurchsuchung stattgefunden, begrüße ich den Tag mit einem kumpelhaften „Hallo mein Freund!“.
„Ich verschreib Ihnen eine Stützkompresse, damit müsste das eigentlich schnell wieder gut werden“.
Ich vertraue meinem Arzt. Ich kenne ihn zwar noch nicht, weil ich ja neu hier bin, aber er wirkt auf mich kompetent. So mein Alter ungefähr und er findet den Wedding so richtig scheiße. Das gefällt mir. Einer der dem Orkan ins Auge schaut. Einer, der sagt, ich muss meine Familie ernähren und wenn ich dazu in den Wedding ziehen muss. Im selben Haus, unter der Arztpraxis, befindet sich die Löwen-Apotheke. Natürlich kann man direkt vom Treppenhaus des Arztes in die Apotheke gehen. „Vorsicht Stufe“ steht an der Durchgangstür. Klar, denke ich, sieht doch ein Blinder, aber als ich die Tür öffne, ist da gar keine Stufe. Jedenfalls nicht sofort. Ich stolpere also in den Laden und denke mir, es hätte korrekt heißen müssen: „Vorsicht, demnächst kommt eine Stufe“, dann wäre mir diese Peinlichkeit nicht passiert.
Denn wie es der Zufall will, werde ich bei meinem Missgeschick beobachtet. Von einer üppigen, blonden, jungen Dame. Ich stehe auf üppige, blonde, junge Damen und steuere wie paralysiert auf den von ihr dominierten Tresenabschnitt zu. Kaum angekommen, verlässt das schöne Kind ihren Platz und eine dienstältere, weniger wohlgeformte und weniger blonde Kollegin nimmt ihren Posten ein. Rezept entgegengenommen, Bandage rausgesucht und beim Anprobieren sich auch noch meine rechte Hand an ihre linke Brust gedrückt.“Paßt!“ Na bravo, denke ich. Bei der Anderen hätte ich mir glatt noch den zweiten Arm, die Nase und beide Beine bandagieren lassen, das jetzt aber kommt mir eher wie sexuelle Nötigung vor. Die junge Kollegin mit den klassischen Qualitäten hat sich inzwischen am Nachbartresen positioniert und verkaufte Dinge, die die Welt nicht braucht, aber uns Hypochondern das Leben erleichtert. Ich beschließe, zu gehen und ein anderes Mal wiederzukommen. Dann werde ich mich von dem blondmähnigen Wonderbra beraten lassen. Ohrenstöpsel zum Beispiel, gegen Fluglärm. Vielleicht erzählt sie mir dann ja, dass sie auch in der Nähe von Tegel wohnt und dass sie immer die aus Schaumstoff nimmt? Oder Säurehemmer. „Ach sie haben auch einen so empfindlichen Magen? Bei mir hilft da immer Calciumcarbonat“.
„Sie bekommen die Bandage am besten rauf, wenn Sie sich den Arm rasieren.“ Die nette, ratgebende Stimme ist ihre. Sie lächelt das Lächeln einer Wissenden (was weiß sie, was ich nicht weiß??) und sie ist blond, jung und …. Ich sag doch, es ist ein schöner Tag.