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Die Strassenbahn Teil I
“Seht jetzt knattert Sie heran, unsre alte Strassenbahn…” so oder so ähnlich heisst es bei Reinhard May über die gute alte StraBa. Seit jüngster Zeit darf auch ich aus privaten Gründen häufiger auf dieses Medium der Fortbewegung zurückgreifen und sind wir einmal ehrlich - Strassenbahnen haben das gewisse Etwas, das die Deutsche Bahn schon lange händerringend sucht:
Fortsetzung:
Die gemütliche, fast schon dörfliche Nähe und Bekanntschaft zu seinem Nächsten, die das Geschreie von sozialier Kälte und Autonomie des Einzelnen so was von vergessen machen. Kaum zu vergessen sind die heissen Tage, an denen man nicht mehr zwischen dem eigenen verschwitzten Oberteil und dem des Nachbarn unterscheiden kann, weil Schweiss auch eine ziemlich klebrige Sache sein kann. Ach, fast hätte ich es vergessen: Die Bahn hat das ja jetzt auch herausgefunden mit den nicht funktionieren wollenden Klimaanlagen. Ja, bei der Bahn ist es fast wie mit dem Wetter (oder Klima), man kriegt nie das, was einem vorausgesagt wird…doch zurück zum eigentlichen Thema: Die Strassenbahn. Eine Kritik an dieser Institution in fast jeder grösseren Stadt verbietet sich. Allein schon der in Bayern gebräuchliche Name (bei allen Franken und Oberpfälzern bitte ich für dieses pars pro toto um Verzeihung; aber es hat sich eben so eingebürgert…) Tram erinnert doch fast schon an das Wort “Kleinod” .
Die wunderbare Wirkung der Bim - so sagt man sehr schön in Österreich - als sozialer Motor ist für den Mitfahrenden Unverkennbar: Da sitzt jung neben alt, schön neben…nun ja…, weise neben nicht so gesegnet mit Geistesgaben…einziger Kritikpunkt: Reiche Menschen nutzen immer weniger das Tram - in der Schweiz so genannt - so dass auch hier leider die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich bemerkbar ist.
Und wer noch nicht ein einziges Mal von einem Menschen, mit dem er auch so wahnsinnig gerne nicht nur ein, nein zwei, drei, vier, fünf, ach, ein ganzes Fass voll Bier trinken würde angesprochen wurde, weil er auch geistig einen so frischen Eindruck machte morgens früh um halb acht (das Sprichwort mit dem Vogel fällt einem ein…sonst nicht viel) oder wer nicht schon von liebenswerten älteren Mitbürgern angeraunzt wurde, weil er nicht Spalier stand für die Trümmerfrauen und braven Alt-45er ist noch nicht wirklich Strassenbahn gefahren. Im Ernst: Selbst ich, ein an und für sich sehr harmloser, zuvorkommender Zeitgenosse wurde in der StraBa schon fast verdroschen. Vielleicht war ich auch einfach selbst Schuld, dass ich dann doch so dünn war, dass der stechende Schmerz in meiner Hüfte, ausgelöst von der Regenschirmspitze des rechts neben mir sitzenden Mannes, nicht von einem schönen Rettungsring abgefedert werden konnte. Oder ich hätte halt einfach fünf Wochen ins Terrorcamp gehen sollen, da nimmt man Schmerzen ganz anders wahr.
Zur Rechtfertigung noch eines: Nein, ich habe nichts gegen ältere Menschen, aber manchmal haben ältere Menschen etwas gegen den Rest der “verkommenen, jungen” Welt. Vielleicht sollten diese so denkenden Damen und Herren in der Bahn einmal mit offeneren Augen fahren…und sie würden sehen, wie liebenswert auch junge Menschen sein können…dass es eben nur ein Klischee ist: jung, dröhnende Musik, auf dem Sitzplatz mit dem Kreuz ohne Rücksicht oder eigenen Antrieb, kranken Menschen Platz zu machen…
Aber vielleicht sind das genau die Mitreisenden von morgen im Bähnle, die heute desinteressiert in der Bahn sitzen. Was soll sich da im Alter ändern? Ich finde: Der desinteressiert Fahrende verpasst etwas: ganz grosses Kino! Es würde mich nicht wundern, wenn es bald eine Daily-Soap gibt mit dem Titel The Tram Who knows???