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Politiker fordern immer wieder, dass ein Verbot der Anonymität im Internet durchgesetzt werden soll. Aktuell jagt der Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich diese Sau durchs Dorf und reiht sich in die Menge der Politiker ein, die sich öffentlich und ungeniert zum Horst machen.
Wir sagen das nicht, weil wir eventuell eine andere politische Meinung haben, oder weil wir eventuell diese Person unsympatisch finden. Wir sagen, das, weil diese Leute einfach nicht den Unterschied zwischen Pseudonym und Anonym verstehen wollen.
Eine gute Eselsbrücke: ein Pseudonym ist wie ein Künstlername. Der Künstler glänzt nicht mit seinen richtigen Namen in der Öffentlichkeit, sondern mit einem Pseudonym , um damit seine Privatssphäre zu schützen.
Ein Anonymer würde selbst nie erkennbar in der Öffentlichkeit auftreten.
Würden diese “wir wollen Anonymität im Internet verbieten” Leute gut beraten, würden sie wissen, dass es im Internet keine Anonymität gibt.
Es gibt viele Wege Spuren zu “anonymisieren”, aber Anonymität hat hier das gleiche Schicksal wie die Sicherheit. Beides ist eine Frage des Aufwandes, den man treiben muss, um sicher oder anonym zu sein. Und der, der die Anonymität eines anderen aufdecken will, muss seinerseits einen entsprechenden Aufwand treiben.
Die Politiker wollen hier, unter anderem mit der Voratsdatenspeicherung, jeden Bürger unter Generalverdacht stellen, damit der Aufwand jemanden nachträglich zu finden auf “Knopfdruck” zu machen ist.
Vergleicht man das mit einem erlegtem Tier in der Wildnis, so muss der Jäger stark genug sein, seine Beute gegen andere verteidigen zu können. Kann er das nicht, ermächtigen sich andere Jäger dieser Beute. Ob das einzelne Jäger oder ganze Rudel sind, spielt dabei keine Rolle.
Zum Schluß kann aber kein Jäger die Maden, Insekten und anderes Kleinstgetier von seiner Beute fernhalten, die sich ungestört und vielleicht auch unbemerkt an der Beute bedienen.
Und wir wissen alle(!), dass Politiker keine Jäger sind. Sie sind meist nur die Köder, die vorgeschickt werden, damit es sich noch ungehinderter am Bürger vergreifen läßt.
Es kann also nicht sichergestellt werden, dass gesammelte Daten sicher bleiben. Ich erinnere: Sicherheit ist eine Frage des Aufwandes. Jüngste erfolgreiche Hackerangriffe auf z.B. Polizeieinrichtungen, FBI, Sicherheitsfirmen usw. zeigen uns wie trügerisch das Wort Sicherheit in diesem Zusammenhang ist. Es gibt nämlich keine Sicherheit. Und das ist nur die Betrachtungsweise von außen. Man darf sich gar nicht ausmalen, dass die Hüter der Daten oder die der Sicherheit Fehler machen, oder selbst neue Verwertungsddeen haben. Niemand könnte sie ernsthaft prüfen oder hindern.
Fordert z.B. also wieder mal ein Politiker “anonymität” im Internet zu verbieten und Gesetze und Strafen dafür einführen zu wollen, dann darf ich dieser Argumentation folgend behaupten: dass dieser Mensch entweder endlos naiv, oder mit voller Absicht und Bewusstsein ein Strohmann der Lobbygesellschaften ist, der versucht einen Weg für viel schlimmere Grauenhaftigkeiten zu ebnen.
Ich hoffe zutiefst auf das Erstere - die Naivität. Es hätte den angenehmen Nebeneffekt, dass die naive Person - wie in der Evolution - aufgefressen wird.
Update
Golem hat in seinem Artikel ein Update, wonach die ein Sprecher des Bundesinnenministerium über dpa vermelden lässt, dass Friedrichs nur für eine demokratische Streitkultur im Internet plädieren wollte.
Mir stellt sich immer noch die Frage: Naivität oder Absicht?